EKO-TECH KLEBEBÄNDER

Klassifizierung der Oberflächenenergie

Die Oberflächenenergie (in der Regel in Dyn/cm oder mN/m angegeben) beschreibt, wie gut ein Klebstoff ein Substrat benetzen kann. In der Praxis unterscheidet man drei Klassen:

  • Hohe Oberflächenenergie – gute Benetzung; Verklebung meist unkompliziert.
  • Mittlere Oberflächenenergie – ausreichende Benetzung; Klebstoffauswahl ist entscheidend.
  • Niedrige Oberflächenenergie – geringe Benetzung; häufig Vorbehandlung oder LSE-Klebstoffe nötig.

Hohe Oberflächenenergie

Bei Werkstoffen mit hoher Oberflächenenergie ziehen sich die Moleküle an der Oberfläche stark an und „ziehen“ Flüssigkeitsmoleküle leicht an. Das führt zu sehr guter Benetzung und in der Regel zu unkomplizierten Klebungen. Typische Werte liegen im mehrhundert- bis tausendfachen Dyn/cm (mN/m). Beispiele: Metalle (Stahl, Aluminium, Kupfer), Glas und Keramik.
Praktische Konsequenzen

  • Benetzung: ausgezeichnet (häufig kleiner Benetzungswinkel, <~30°).

  • Vorbehandlung: meist genügt Entfetten/Reinigen; achte auf Oxide, Korrosionsschutzmittel und Öle, die die effektive Oberflächenenergie reduzieren.

  • Klebstoffwahl: Acryl-PSA/-Klebebänder, Epoxidharze, Cyanacrylate funktionieren sehr gut; bei hohen Temperaturen/Chemikalien Silikone oder strukturelle Acrylate in Betracht ziehen.

  • Prozesstipp: Aufrauen verbessert die mechanische Verankerung, ersetzt aber keine saubere, hochenergetische Oberfläche.

Mittlere Oberflächenenergie

Die „Mittelzone“ zwischen leichter und schwieriger Benetzung. Typische Werte: 36–300 Dyn/cm (mN/m), viele technische Substrate liegen eher bei 36–60 Dyn/cm. Beispiele: ABS, PC, hartes PVC, PET, PMMA, Laminate sowie natürliche Materialien wie Holz, Stein, Beton (stark variabel).

In der Praxis

  • Benetzung: moderat (Kontaktwinkel oft ~30–60°).

  • Vorbehandlung: Entfetten, leichtes Anschleifen; bei niedrigeren Werten Korona/Plasma/Flamme erwägen. Für Porenwerkstoffe: Entstauben, Trocknen, Primer/Versiegelung.

  • Klebstoffwahl: Acryl-PSA (≥~38 Dyn/cm), akrylische Schaumklebebänder (VHB/ACX), Epoxide, Polyurethane. Bei PVC auf Weichmachermigration achten (beständige Kleber + Primer).

  • Prozesstipps: Feuchte kontrollieren (Holz/Beton), Einsaugen des Klebers vermeiden (Sealer), Anpressdruck und Offenzeit sind wichtiger als bei HSE.

Niedrige Oberflächenenergie

Bei Werkstoffen mit niedriger Oberflächenenergie (LSE) ist die Anziehung zu Flüssigkeiten gering – die Benetzung ist schwach, der Kontaktwinkel oft >90°. Als LSE gelten in der Regel < 36 Dyn/cm (mN/m), typisch ~18–34 Dyn/cm. Beispiele: Polyolefine (PP, PE/HDPE/LDPE), viele TPE/POE, Silikonkautschuk sowie Fluorpolymere (PTFE, FEP, ETFE), die besonders schwer zu kleben sind.
Praxisleitfaden

  • Benetzung: gering; Reinigen allein reicht selten. Achte auf Trennmittel und Gleitadditive (Blooming).

  • Vorbehandlung: Korona, Plasma oder Flamme erhöhen die Energie; chemisches Ätzen bei PTFE ist möglich, aber nur unter kontrollierten Bedingungen. Reines Aufrauen kann verschmieren und schadet oft.

  • Primer: Polyolefin-Primer können die Haftung stark verbessern – kompatibel zum Klebstoff wählen.

  • Klebstoffwahl:

    • LSE-optimierte Acrylate (inkl. akrylischer Schaumklebebänder LSE) für dauerhafte Festigkeit.
    • Kautschuk-PSA mit hoher Anfangshaftung, jedoch geringerer Wärme/UV/Chemikalien-Beständigkeit.
    • Silikonklebstoffe primär für Silikon-Substrate.
  • Konstruktion & Prozess: Klebfläche vergrößern, dickere/Schaum-Träger für Anpassung, Verbindungen auf Schub auslegen (Peel/Spalt minimieren), Anpressdruck und Aushärte-/Anlegezeit einhalten; warme Applikation verbessert die Benetzung.

  • Qualifizierung: Dyne-Stifte (indikativ), Kontaktwinkel-Messung sowie Peel/Schub-Tests an Referenzproben.

Oberflächenenergie verschiedener Materialien

Eko-Tech Converting Company - Oberflächenenergie verschiedener Materialien

Kunststoffe

Kunststoffe und Oberflächenenergie
Kunststoffe decken ein breites Spektrum an Oberflächenenergie ab, was Benetzung und Haftung bestimmt. Polyolefine und Fluorpolymere (< ~36 Dyn/cm, LSE) sind schwer zu kleben und benötigen oft Aktivierung (Korona/Plasma/Flamme), Primer oder LSE-optimierte Klebstoffe. Technische Kunststoffe wie ABS, PC, PET, PA, PMMA (typisch ~36–60 Dyn/cm) zeigen moderate Benetzung—gründliche Reinigung und leichtes Anschleifen helfen. Die folgende Grafik zeigt typische Bereiche zur Orientierung.

Eko-Tech Converting Company - Kunststoffe

Kunststoffe mit niedriger Oberflächenenergie (LSE)

LSE-Kunststoffe weisen häufig eine geringere Dichte und niedrigere Erweichungs-/Schmelzbereiche auf; ihre unpolaren Oberflächen benetzen schlecht, sodass Flüssigkeiten/Klebstoffe abperlen. Verklebungen sind anspruchsvoll und benötigen oft eine Vorbehandlung (Korona/Plasma/Flamme), Primer oder LSE-optimierte Klebstoffe und Bänder (z. B. LSE-Acrylschaum). Die Auswahl ist kleiner als bei HSE-Substraten, dennoch gibt es bewährte Lösungen, u. a. von 3M oder tesa.

Technische Kunststoffe

Technische Kunststoffe sind weit verbreitet: leicht, fest, gut formbar und wirtschaftlich. Sie besitzen eine höhere Oberflächenenergie als LSE-Kunststoffe (typisch ~36–60 Dyn/cm), was die Benetzung verbessert und Klebungen erleichtert. Beispiele: ABS, PC, PET, PA, PMMA, hartes PVC; in der Regel reichen Entfetten und ggf. leichtes Anschleifen.

Konventionelle Materialien

Eine breite Gruppe mit Oberflächenenergien höher als die der meisten Kunststoffe, aber niedriger als die von Metallen (oft um 100–400 Dyn/cm). Dazu zählen Glas, Keramik, Beton sowie natürliche Werkstoffe wie Holz, Leder, Textilien. Die Benetzung und Verklebung ist meist unkompliziert; jedoch sind Porosität und Feuchte (Holz/Beton) zu beachten — entstauben, trocknen und häufig primern/versiegeln. Glas/Keramik benötigen in der Regel gründliches Entfetten.

Eko-Tech Converting Company - Konventionelle Materialien
Eko-Tech Converting Company - Metalle

Metalle

Metalle sind belastbar und funktionieren in einem breiten Temperatur- und Einsatzspektrum. Durch ihre sehr hohe Oberflächenenergie ist die Benetzung gut und Klebungen sind meist unkompliziert. Geeignet sind Acryl-PSA/-Bänder, akrylische Schaumklebebänder, Epoxide, Cyanacrylate sowie strukturelle Acrylate. Oberfläche entfetten und Oxide/Beschichtungen entfernen; Öle und Korrosionsschutzmittel mindern die Haftung.

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